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Krasser könnte der Gegensatz nicht sein. Innerhalb einer Woche lese ich:

Wie sollen wir mit dem Tod umgehen?

Wie sollen wir mit dem Tod umgehen?

Drei verschiedene Konzepte, mit der radikalen Sterblichkeit und der Provokation durch die Endlichkeit umzugehen.

  • Dieing schlägt vor, aktiv auf Sterben und Tod zuzugehen. Die Hoffnung der Ärztin: So kommen Menschen mit der Endlichkeit besser zurecht. Gelassenheit heißt ihr großes und sympathisches Stichwort.
  • Gray hält hingegen alle menschliche Existenz für Willkür. Das Wissen um den Tod kann deshalb eine Vorfreude auslösen, weil er die Erlösung aus der Willkür menschlicher Existenz bedeutet. Ein nihilistischer oder doch eher ein realistischer Zugang?
  • Das niederländische Konzept der ambulanten Sterbehilfe schließlich steht für die Vorstellung, aktiv mit dem Tod umzugehen. Das Sterben ist hier der Akt der Selbstbestimmung, den der Mensch als letzten zu seinem eigenen machen kann.

Drei ganz verschiedene Zugänge – aber eine Gemeinsamkeit: Sterben und Tod sind kein Schicksal mehr, sondern müssen gestaltet werden. Die heimliche Normativität dieser Konzeption, das finde ich das eigentlich verblüffende, wird kaum thematisiert. Warum, so muss die ethische Frage lauten, muss ich eigentlich dem Tod aktiv entgegen gehen? Kann ich ihn nicht auch als Teil meines Lebens begreifen, als Entzogenes, das – todsicher – auf mich zukommt? Umgekehrt ist auch klar: Je mehr an der Grenze des Lebens möglich und legitimiert ist, technisch, medizinisch, sozial, desto mehr ist jeder einzelne gezwungen, sich zu positionieren. Dann ist auch das Zulassen des Sterben-müssens eine Position – aber auch sie muss gewählt werden. Das ist ganz konkret der „Zwang zur Moral“, vom dem Otfried Höffe spricht.

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