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Das Thema ist immer wieder brisant: Menschenklonen. Jetzt steht es wieder auf der Tagesordnung, nachdem es Wissenschaftlern erstmals gelang, menschliche embryonale Stammzellen herzustellen. Das zumindest berichten Forscher im Artikel >Human Embryonic Stem Cells Derived by Somatic Cell Nuclear Transfer< in der Zeitschrift Cell. Da aus pluripotenten Stammzellen theoretisch Menschen entstehen können, ist die Diskussion um das Klonen nur verständlich.

Ein Argument kommt in der Debatte immer wieder auf den Tisch: Eine solche Forschung heißt, Gott ins Handwerk zu pfuschen, oder wie der Hamburger Erzbischof Werner Thissen an Pfingsten formulierte:

Es stimmt nicht mit dem Willen Gottes überein, wenn Embryonen erzeugt und zerstört werden für reproduktives Klonen, an dessen Ende, wenn auch in Zukunft, geklonte Menschen stehen können.

Mindestens zwei Probleme enthält diese Rede vom Willen Gottes als ethischem Argument:

1. Theologisch ist diese Aussage problematisch. Sie behauptet, von Gott viel mehr sagen zu können, als legitim ist. In seinen Bekenntnissen, dieser ersten Glaubensautobiographie der Geschichte, schreibt Augustinus in seinen Meditationen über die Schöpfungsgeschichte: „Denn ganz wie du bist, das weißt du allein (…).“ Ist es da überhaupt legitim, vom Willen Gottes oder auch vom Handwerk Gottes zu sprechen, in das der Mensch nicht pfuschen dürfe?

2. Schöpfungstheologisch ist der Mensch ist auch als eine Art ‚kleiner Gott‘ zu denken. Davon sprechen nicht nur die Schöpfungserzählungen. So hält der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz fest: „(…) die Geister aber sind (…) Abbilder der Gottheit oder des Urhebers der Natur selbst; sie sind fähig, das System des Universums zu erkennen und durch architektonische Entwürfe etwas davon nachzuahmen, da jeder Geist in seinem Bereich gleichsam eine kleine Gottheit ist.“ Für Leibniz ist die Vernunft die Kraft, die aus dem Menschen ein Abbild der Göttlichkeit macht. Und der Mensch kann also nicht gegen den Willen Gottes handeln, wenn er forscht und erprobt, sondern er erfüllt seinen ureigensten Auftrag.

Design und Klonen

Klonen nach Wunsch

Warum das Klonen problematisch sein soll, erschließt sich m.E. nicht aus dem Konzept des „Willen Gottes“. Wohl aber aus Vorstellungen, die auch mit religiösen Konzepten verknüpft sind, wie etwa die Rede von der Würdehaftigkeit jedes Menschen. Das aber setzt wiederum voraus, dass die pluripotente Stammzelle als Embryo verstanden und angesehen wird. Eine solche Überzeugung aber, die global gelten könnte, zeichnet sich nicht ab. Hier liegt wohl die Arbeit der Zukunft auch für die Ethik begründet. Deutlich zu machen, dass philosophisch-theologisch-ethische Probleme wie die Frage nach dem Beginn des Lebens nicht einfach übergangen werden dürfen.

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