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»Blind-Wedding im Standesamt«, das ist der Kern der neuen Dating-Show »Hochzeit auf den ersten Blick« auf Sat 1. Am 16.11.2014 lief die erste Folge.

2014-11-17 Hochzeit auf den ersten Blick Logo

Hochzeit auf den ersten Blick

Die Idee: Sogenannte Experten stellen vier Paare zusammen, die sich statt mühsamer Partnersuche direkt zur Hochzeit treffen, heiraten und dann sehen, wie und ob sie miteinander klarkommen. Sat1 spricht von einem „ungewöhnlichen Beziehungsexperiment“. Immer dabei: die Kamera – bei der Auswahl der Paare, deren Hochzeitsvorbereitung, dem Moment auf dem Standesamt und den Flitterwochen.

Basis der Partnerauswahl sind wissenschaftliche Test und Analysen bis hin zu einem DNA-Test. Gesucht werden auf dieser Grundlage die perfekten Partner für acht Singles. Immer dabei: eine Psychotherapeutin, ein Wohnpsychologe, eine psychologische Beraterin und ein freikirchlicher Theologe. Die Frage: „Kann aus purer Wissenschaft wirklich die wahre Liebe werden?“ Nach sechs Wochen lautet dann die Frage: Wollt ihr zusammenbleiben oder wollt ihr die Scheidung?

Ihre vermeintliche Seriosität bezieht die Sendung aus Anfragen an das Konzept der Liebesheirat. Die Sehnsucht nach Liebe reicht, so die Sendung, als Emotion, als tragender Grund einer Ehe nicht aus. Das zeigen die Scheidungsraten deutlich. Hier wird die »arrangierte Ehe« als Ausweg vorgestellt.

Sat1 >Blind-Date-Hochzeit<

Sat1 >Blind-Date-Hochzeit<

Grundsätzlich hat die Anfrage an die sogenannte Liebesheirat ihre Berechtigung. Liebe im Sinn des Verliebtseins reicht nicht aus, um dauerhaft zusammenzuleben, um ein gemeinsames Leben auch langfristig gestalten und leben zu können.

Doch der Begriff der „arrangierten Ehe“ führt in die Irre. So sieht die Sendung nur darauf, ob die Partner zusammenpassen: Vom Charakter her, von der Weltanschauung, von ihrem Lifestyle. In der traditionellen arrangierten Ehe aber spielt vor allem die Familie, das soziale Umfeld eine zentrale Rolle. Arrangierte Ehen verbinden Familien, sichern Macht, sind politische, wirtschaftliche oder soziale Verbindungen. Bei der arrangierten Ehe geht es also nicht in erster Linie um die Partner, sondern um ihre gesamte Familie. Und es ist vor allem der soziale Druck, der die Partner dann zusammenhält. All das fällt im Konzept der Sendung aus. Und so geht es dann doch letztlich nur um Liebe.

So stellen sich zwei Fragen. Zum einen die Frage nach der Aussagekraft der wissenschaftlichen Expertise, die die Partner zusammenführen soll. Wenn der Wohnungspsychologe die Bettwäsche, wenn die Psychotherapeutin das dramatische Liebesleben der möglichen Kandidatinnen und Kandidaten unter die Lupe nimmt, dann zeigt das schon die Grenzen der wissenschaftlichen Passung auf. Zum anderen stellt sich die Frage, ob die arrangiert eingegangene Ehe der Ausweg aus den Problemen der Liebesbeziehung bietet. Denn die Paare müssten ja nicht heiraten, sondern könnten ja auch so zusammengeführt werden. Und am Schluss könnte dann die Frage stehen, ob diese Beziehung eine Zukunft hat.

Vor diesem Hintergrund wird klar, dass die arrangierte Hochzeit vor allem auf den Show-Effekt setzt. Die Hochzeit ist der Kick für die Sendung. Dadurch wird die Ehe aber – entgegen der vorgegebenen Intention der Sendung – entwertet. Ehe ist hier nur noch ein Fernsehexperiment auf Zeit. Das ist dann doch viel zu wenig.

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